AI ≠ Human: Jugendliche für einen kritischen Umgang mit Chatbots sensibilisieren

Heute sind junge Menschen nicht mehr nur mit dem Internet oder sozialen Netzwerken konfrontiert: Sie interagieren auch mit künstlichen Intelligenzen (KI), die Aufmerksamkeit simulieren, auf sie eingehen und sie unterstützen können – und dabei persönliche Informationen speichern. Die Interaktionen mit solchen Chatbots wirken zunehmend natürlich und mühelos. Problematisch kann es jedoch werden, wenn sie menschliche Beziehungen ersetzen oder das soziale Verhalten beeinflussen.

Vor diesem Hintergrund startet das Ministerium für Bildung, Kinder und Jugend die Kampagne AI ≠ Human. Sie wurde am 16. April 2026 im Rahmen einer Pressekonferenz von Minister Claude Meisch vorgestellt. Ziel ist es, einen kritischeren Umgang mit Chatbots zu fördern und eine zentrale Botschaft zu vermitteln: KI ist ein nützliches Werkzeug, ersetzt jedoch keine menschlichen Beziehungen.

"Hinter der Nutzung von Chatbots steht oft eine tiefere Realität: Einsamkeit. KI kann die Illusion von Nähe vermitteln, aber sie wird niemals einen Menschen ersetzen. Wir müssen verhindern, dass junge Menschen auf der Suche nach Unterstützung sich in dieser Illusion verlieren. Es gilt, ihnen zu helfen, den Unterschied zu erkennen, und sicherzustellen, dass sie im richtigen Moment die passende Ansprechperson finden", betonte Minister Claude Meisch.

Zunehmende Präsenz von KI im digitalen Alltag junger Menschen

Die Kampagne AI ≠ Human stützt sich auf die Ergebnisse des BEE SECURE Radar 2026, die zeigen, wie stark Chatbots inzwischen im digitalen Alltag junger Menschen verankert sind. Fast alle geben an, solche Anwendungen bereits genutzt zu haben (96 % der 12- bis 16-Jährigen und 97 % der 17- bis 30-Jährigen), rund ein Viertel sogar täglich. Auch wenn diese Nutzung oft praktisch und hilfreich ist – etwa zur Informationssuche oder zur Umformulierung von Ideen –, kann der dialogorientierte Stil von Chatbots den Eindruck einer Beziehung vermitteln, die nicht mit echter menschlicher Interaktion gleichgesetzt werden darf.

Laut BEE SECURE Radar 2026 sehen 17 % der jungen Menschen in KI eine Art Freund, 20 % nutzen sie, um sich weniger allein zu fühlen, und 5 % sind der Meinung, dass sie gemeinsame Zeit mit anderen Menschen ersetzen kann. Zudem greift etwa die Hälfte gelegentlich auf KI zurück, um persönliche Ratschläge zu erhalten, und rund ein Viertel spricht Themen an, die sie mit anderen nicht teilen würden.

Diese Beobachtungen, die auch durch aktuelle internationale Studien bestätigt werden, verdeutlichen, wie wichtig es ist, junge Menschen und ihr Umfeld für einen reflektierten und kritischen Umgang mit Chatbots zu sensibilisieren.

Dieser Bedarf zeigte sich auch in den Gesprächen des Ministeriums mit der Nationalen Schülerkonferenz im Rahmen des Austauschs zum KI Kompass, dem strategischen Rahmen für einen verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Schule. Die Schülerinnen und Schüler hoben insbesondere hervor, dass viele junge Menschen unter Einsamkeit leiden und sich deshalb verstärkt der KI zuwenden – oft auf Kosten realer Freundschaften. Gleichzeitig betonten sie die Notwendigkeit einer gezielten Sensibilisierungskampagne zu diesem Thema.

Wie der KI Kompass stellt auch die Kampagne den Menschen in den Mittelpunkt. Sie warnt vor einem unreflektierten Einsatz von künstlicher Intelligenz und macht deutlich, dass diese nicht nur zu kognitiver, sondern auch zu emotionaler Abhängigkeit führen kann, wenn sie menschliche Interaktionen ersetzt. Ziel ist es daher, Schülerinnen und Schüler für einen bewussten Umgang mit KI zu sensibilisieren, die Bedeutung echter zwischenmenschlicher Beziehungen zu stärken und eigenständiges Denken zu fördern.

Eine Illusion von Beziehung, die nicht mit der Realität verwechselt werden darf

Die Kampagne AI ≠ Human erinnert daran, dass ein Chatbot in vielen Situationen hilfreich sein kann, sich jedoch darauf beschränkt, statistisch wahrscheinliche Antworten zu analysieren und zu generieren. Er ersetzt weder menschliche Empathie noch die Unterstützung durch nahestehende Personen oder die Begleitung durch Fachkräfte. Menschliches Zuhören umfasst Emotionen, Zwischentöne, Kontext und Verantwortung. Junge Menschen können sich an Gleichaltrige, ihre Familie oder andere Vertrauenspersonen wenden, aber auch an qualifizierte Fachkräfte wie die psycho-sozialen und erzieherischen Dienste an den Sekundarschulen.

Zentrale Botschaften der Kampagne:

  • AI can't hug you back;
  • AI can't think for you;
  • AI remembers everything;
  • Talk to your kids before AI does;
  • AI can listen, but it can't feel.

Die Kampagne konzentriert sich auf fünf zentrale Herausforderungen:

  • Soziale Isolation: Chatbots können Aufmerksamkeit, Verfügbarkeit und Zuhören simulieren. Diese ständige Präsenz kann beruhigend wirken, ersetzt jedoch keine echte menschliche Beziehung;
  • Ersatz für menschliche Beziehungen: Wenn Chatbots als Freunde, tröstende Begleiter oder bevorzugte Gesprächspartner wahrgenommen werden, verschwimmt die Grenze zwischen technischer Simulation und echter Beziehung;
  • Rückgang des direkten Austauschs: Wenn sensible Themen eher einem Tool als einer Vertrauensperson anvertraut werden, kann dies darauf hindeuten, dass im realen Leben geeignete Gesprächsräume fehlen;
  • Personenbezogene Daten und Privatsphäre: Informationen, die mit einem Chatbot geteilt werden – insbesondere persönliche oder sensible Inhalte –, sind nicht unbedingt vertraulich oder geschützt;
  • Kognitive Auslagerung: Wer sich systematisch auf KI verlässt, um zu formulieren, zu entscheiden oder nachzudenken, riskiert, Eigenständigkeit und kritisches Denken zu schwächen.

René, eine Roboterpuppe als Gesicht der Kampagne

Die Kampagne AI ≠ Human richtet sich an junge Menschen zwischen 12 und 30 Jahren sowie an ihr Umfeld. Sie ist das Ergebnis einer Zusammenarbeit zwischen dem Ministerium, dem Dienst BEE SECURE – einer staatlichen Initiative unter der Koordination des Service national de la jeunesse (SNJ) –, dem Zentrum für psychosoziale und schulische Begleitung (CePAS) sowie der Nationalen Schülerkonferenz Luxemburgs (CNEL).

Im Mittelpunkt der Kampagne steht die Roboterpuppe René. Als zentrales visuelles Element macht sie die Botschaft greifbar und interaktiv erlebbar. René ist sowohl in digitalen Inhalten präsent als auch bei Aktionen vor Ort und in verschiedenen Sekundarschulen, wo er direkt mit jungen Menschen interagiert. Er beantwortet häufige Fragen, gibt Orientierung und verweist auf passende Hilfsangebote und Informationsquellen.

Die Kampagne läuft von April bis Juni 2026 und wird über mehrere Kanäle umgesetzt:

  • die Website nothuman.lu, mit zentralen Botschaften, visuellen Inhalten, einem Video und einem Aktionsprogramm;
  • Präsenz in sozialen Medien wie Instagram, TikTok und YouTube;
  • Aktionen von BEE SECURE in den Sekundarschulen, in Zusammenarbeit mit dem CePAS, sowie in öffentlichen Räumen, bei denen junge Menschen mit René interagieren können;
  • Plakatkampagnen im öffentlichen Raum;
  • die Einbindung von Influencerinnen und Influencern zur Verbreitung der Kampagnenbotschaften.

Über all diese Kanäle hinweg vermittelt die Kampagne anschaulich ihre zentrale Botschaft: Künstliche Intelligenz, die von Menschen entwickelt und programmiert wird, bleibt ein Werkzeug – und kein Mensch.

Pressemitteilung des Ministeriums für Bildung, Kinder und Jugend