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Sexuelle und emotionale Gesundheit: Was die erste nationale Erhebung in Luxemburg zeigt
Die Gesundheitsbehörde hat die Ergebnisse der ersten nationalen Erhebung zur sexuellen und emotionalen Gesundheit vorgestellt. Die Erhebung wurde 2025 unter 2.371 in Luxemburg lebenden Personen ab 18 Jahren durchgeführt. Sie liefert erstmals nationale Daten, die ein besseres Verständnis der Lebensrealitäten, Bedürfnisse und Verhaltensweisen der Bevölkerung im Bereich der sexuellen und emotionalen Gesundheit ermöglichen. Die Ergebnisse zeigen sowohl Fortschritte als auch erhebliche Herausforderungen auf – unter anderem bei der Prävention sexuell übertragbarer Infektionen (STI), der Empfängnisverhütung, der Einwilligung, sexueller Gewalt sowie der Bekämpfung von Diskriminierung. Sie werden dazu beitragen, künftige Maßnahmen der öffentlichen Gesundheit in diesem Bereich gezielt auszurichten.
Sechs zentrale Themen
Der erste Geschlechtsverkehr findet bei den meisten Befragten zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr statt
Bei fast jeder zweiten befragten Person fand der erste Geschlechtsverkehr zwischen dem 16. und 18. Lebensjahr statt. 85 % gaben an, dass dieser erste Geschlechtsverkehr zu diesem Zeitpunkt gewollt war.
Respekt gegenüber sexuellen Orientierungen und Geschlechtsidentitäten: Weitere Anstrengungen gegen Diskriminierung erforderlich
Die Erhebung zeigt, dass der respektvolle Umgang mit Vielfalt weiterhin eine gesellschaftliche Herausforderung darstellt. Während sich die große Mehrheit der Befragten als heterosexuell bezeichnet, gaben 10 % eine andere sexuelle Orientierung an und 1 % eine Geschlechtsidentität jenseits der Kategorien Mann und Frau. Darüber hinaus berichteten 12 % der Befragten, bereits negative Bemerkungen, Fragen oder Bewertungen im Zusammenhang mit ihrer Sexualität oder ihrem geschlechtlichen Ausdruck erlebt zu haben.
Prävention sexuell übertragbarer Infektionen: Schutzverhalten und Testangebote weiter stärken
15 % der Befragten gaben an, im Laufe ihres Lebens bereits eine sexuell übertragbare Infektion (STI) gehabt zu haben. Die Mehrheit schätzt ihre Kenntnisse über sexuell übertragbare Infektionen (STI) als gut ein: 84 % fühlen sich nach eigener Einschätzung gut informiert. Dennoch besteht weiterhin Verbesserungsbedarf beim Schutzverhalten. Von den 18- bis 24-Jährigen gaben lediglich 39 % an, in den vergangenen zwölf Monaten bei allen Sexualpartnerinnen und -partnern konsequent Schutz vor STI verwendet zu haben. Zudem ließen sich 31 % innerhalb dieses Zeitraums auf STI testen.
Empfängnisverhütung und freiwilliger Schwangerschaftsabbruch
Die Erhebung zeigt zudem, dass Verhütung bereits beim ersten Geschlechtsverkehr häufig berücksichtigt wird: 68 % der Befragten gaben an, dabei ein Verhütungsmittel verwendet zu haben. In den vergangenen zwölf Monaten nutzten 26 % ein (männliches) Kondom und 17 % die Antibabypille. Obwohl sich 91 % gut über Verhütung informiert fühlen, wissen mehr als ein Drittel der Befragten (38 %) nicht, dass Verhütungsmittel inzwischen kostenlos sind. Insgesamt zeigten sich 89 % mit ihrer Verhütungsmethode zufrieden.
Außerdem ergab die Erhebung, dass 17 % der befragten Frauen im Laufe ihres Lebens mindestens einen freiwilligen Schwangerschaftsabbruch hatten.
Einwilligung und sexuelle Gewalt: Besorgniserregende Situationen und anhaltend hohe Gewaltzahlen machen kontinuierliches Handeln erforderlich
Die Ergebnisse zeigen, dass Verstöße gegen das Einwilligungsprinzip weiterhin eine besorgniserregende Realität darstellen. 34 % der Befragten gaben an, bereits von einer Partnerin oder einem Partner zum Geschlechtsverkehr gedrängt worden zu sein. Frauen und Menschen mit Behinderungen sind davon besonders häufig betroffen. Darüber hinaus berichteten 31 %, bereits gegen ihren Willen infolge des Drucks einer Partnerin oder eines Partners Geschlechtsverkehr gehabt zu haben.
Die Erhebung zeigt außerdem, dass 60 % der Personen, die angaben, Opfer einer Vergewaltigung geworden zu sein, mit einer Vertrauensperson darüber gesprochen haben, während 15 % Anzeige erstatteten.
Bildung im Bereich der sexuellen und emotionalen Gesundheit: Ein wesentlicher Baustein der Prävention
Von den Personen, die ihre gesamte oder einen Teil ihrer Schulbildung in Luxemburg absolviert haben, gaben 44 % an, Unterricht zur sexuellen und emotionalen Gesundheit erhalten zu haben; 27 % allerdings nur ein einziges Mal während ihrer gesamten Schulzeit. Von denjenigen, die an einem entsprechenden Unterricht teilgenommen hatten, waren 49 % der Ansicht, dass ihre Fragen nur unzureichend oder teilweise beantwortet wurden (Bewertung ≤ 4/10). Die wichtigsten Informationsquellen sind heute Gesundheitsfachkräfte, insbesondere Gynäkologinnen und Gynäkologen sowie Hausärztinnen und Hausärzte.
"Diese Erhebung vermittelt uns ein klares Bild der Erwartungen und Lebensrealitäten der Bevölkerung. Die Ergebnisse bilden eine solide Grundlage, um unsere Maßnahmen weiter zu stärken und eine sexuelle und emotionale Gesundheit zu fördern, die auf Respekt und Einwilligung beruht“, betonte Martine Deprez, Ministerin für Gesundheit und soziale Sicherheit.
Beispiele für konkrete Maßnahmen
Zur Stärkung der sexuellen und reproduktiven Rechte wurden bereits mehrere Maßnahmen umgesetzt. Dazu gehören insbesondere die Einführung der kostenlosen Empfängnisverhütung, die Verankerung der Freiheit zum Zugang zu einem Schwangerschaftsabbruch in der Verfassung sowie die Abschaffung der verpflichtenden Bedenkzeit vor einem freiwilligen Schwangerschaftsabbruch.
Darüber hinaus umfassen die Maßnahmen die Entwicklung von Informations- und Sensibilisierungsmaterialien wie „Let's Talk about Sex!“, die Aufnahme der sexuellen und emotionalen Gesundheit in den neuen Lehrplan der Grundschule sowie den Ausbau der Unterstützung für Opfer von Gewalt durch das Nationale Zentrum für Opfer von Gewalt (CNVV), das rund um die Uhr Unterstützung bietet.
Die Ergebnisse der Erhebung wurden im Rahmen der Veranstaltung „Sexuelle und emotionale Gesundheit: Vernetzung und Vorstellung der ersten nationalen Erhebung“ vorgestellt, die gemeinsam mit dem Centre national de référence pour la promotion de la santé affective et sexuelle (Cesas) organisiert wurde.
Pressemitteilung des Ministeriums für Gesundheit und soziale Sicherheit