Serge Wilmes, wie wollen Sie die heimischen Wälder retten?

Interview mit Serge Wilmes im Luxemburger Wort

Interview: Luxemburger Wort (Nadine Schartz)

 

Luxemburger Wort: Serge Wilmes, die Wälder in Luxemburg stehen unter Druck - durch den Klimawandel, Trockenheit und Wildverbiss. Wie sieht die Situation aus Ihrer Sicht aus?

Serge Wilmes: Der Zustand unserer Wälder bereitet uns Sorgen, denn nur noch 20 Prozent der Bäume sind gesund. Die restlichen 80 Prozent sind geschwächt und befinden sich in keinem guten Zustand. Es ist erschreckend, wie viele Bäume inzwischen so geschwächt sind, dass sie bereits bei einfachen Windstößen umfallen. Dies ist ein schleichender Prozess, der jetzt immer deutlicher wird. Im Wald sind demnach die Konsequenzen des Klimawandels deutlich erkennbar.

Dies bedeutet jedoch auch, dass das Ökosystem geschädigt ist, was nicht gut ist. Der Wald hat nämlich wichtige Aufgaben: Er ist Lebensraum für Pflanzen, Mikroorganismen und Tiere, filtert und speichert Wasser, produziert Sauerstoff und speichert diesen. Die Frage ist, wie viel CO2 wirklich noch gespeichert wird. In diesem Sinne gilt es, dieses Ökosystem nicht nur zu schützen, sondern auch zu stärken, um es für die Zukunft zu erhalten.

Luxemburger Wort: Am Freitag findet der nunmehr dritte Wald- und Jagdtisch statt. Wer nimmt daran teil und wie schwer ist es, auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen?

Serge Wilmes: Vor einem Jahr habe ich den Wald- und Jagdtisch ins Leben gerufen, um mit allen beteiligten Akteuren gemeinsam Lösungen zu finden. Treffen in dieser Form haben vorher noch nicht stattgefunden. Bisher gab es zwei solcher Wald- und Jagdtische.

Zusätzlich gab es Arbeitsgruppen sowie einzelne Treffen mit mir. Mir ist es wichtig, den Blick nicht auf Reibungen und Meinungsverschiedenheiten aus der Vergangenheit zu richten, sondern gemeinsam daran zu arbeiten, den Wald zu schützen und zu erhalten. Es gab große Anstrengungen, um zusammenzufinden, sodass ich davon ausgehe, dass wir am Freitag einen großen Schritt weiterkommen werden. Das Ziel besteht darin, eine Absichtserklärung mit mehreren Zielen zu verabschieden, um die Situation in den Griff zu bekommen. Dies dürfte wahrscheinlich dazu führen, dass das aktuelle Jagdgesetz angepasst wird.

Luxemburger Wort: Reicht das aktuelle Jagdgesetz demnach nicht, um die Wald- und Klimaziele zu erreichen?

Serge Wilmes: Es läuft darauf hinaus, dass punktuelle Änderungen erforderlich sind. Dafür ist es mir wichtig, dass wir uns jetzt auf einen möglichst breiten Konsens einigen, damit die einzelnen Akteure auf unterschiedlichen Ebenen die Maßnahmen anschließend umsetzen können.

Luxemburger Wort: Sie haben die hohen Wildbestände angesprochen. Die Abschussquoten sind jedoch unverändert geblieben. Wurde es bisher versäumt, dieses Problem anzugehen?

Serge Wilmes: Es ist schwierig, die Wildpopulation genau zu erfassen. Natürlich wurde überlegt, wie man vorgehen könnte, um mehr über den Wildbestand zu erfahren. Fakt ist, dass wir effektive und objektive Zahlen benötigen, um die Situation einschätzen zu können. Erst dann können die Abschusspläne präziser und zielorientierter entwickelt werden. Dies führt schließlich zu besseren Resultaten.

Dafür benötigen wir die passenden Mittel, um ein Monitoring mit wissenschaftlicher Begleitung durchzuführen und uns anschließend auf die gewonnenen Fakten stützen zu können. Solche Ansätze könnten dazu beitragen, nicht blind zu handeln. Dies war bereits Teil der bisherigen Diskussionen und wird voraussichtlich Teil des Abkommens sein.

Luxemburger Wort: In einem Meinungsbeitrag im "Luxemburger Wort" wurden Sie aufgefordert, beim Wildmanagement konsequenter zu handeln. Ist die geplante Absichtserklärung der erste Schritt in diese Richtung?

Serge Wilmes: Absolut. In dem Meinungsbeitrag wurde dem vorgegriffen, was wir am Freitag gemeinsam diskutieren wollten. Bisher haben wir alles partnerschaftlich diskutiert und das sollten wir bis zum Schluss durchziehen.

Das Ziel besteht nämlich darin, das Waldmanagement zu verbessern und auf Basis objektiver Daten präzise festzulegen, welche Abschussquoten erfüllt werden müssen. Es geht nicht darum, dass die Beteiligten einander die Schuld zuschieben, sondern sie müssen gemeinsam an einem Strang ziehen.

Wichtig ist, dass wir uns auf Maßnahmen einigen, die wir später vor Ort umsetzen. Jeder muss dann seine Verantwortung übernehmen, dazu gehören auch die Jäger, aber nicht nur sie. Denn sie können das Problem nicht allein lösen. Ich wiederhole: Es muss ein Zusammenspiel aller Akteure geben. Wenn wir es schaffen, eine Partnerschaft mit einer Rahmenvereinbarung zu etablieren, wäre das ein historischer Erfolg.

Luxemburger Wort: Wie zeitnah sollen die Maßnahmen umgesetzt werden?

Serge Wilmes: Wir zielen auf rund zwölf Ziele im Maßnahmenkatalog ab, die die Kompetenzbereiche der jeweiligen Akteure betreffen. Wenn wir uns morgen auf einen Accord-cadre einigen, geben wir uns eine Timeline vor, in der unter anderem die Überarbeitung des Gesetzes vorgesehen ist, die im Laufe des Jahres geschehen soll.

Die Gesetzesänderungen müssen anschließend in Zusammenarbeit mit den Akteuren ausgearbeitet werden. Nachdem diese Diskussionen geführt wurden und eine Einigung erzielt wurde, wird eine Gesetzesvorlage eingereicht. Dies könnte im Sommer oder Herbst geschehen.