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Erntegespräche: Getreide- und Futterbauernte von Hitzewellen und Trockenheit gezeichnet
Martine Hansen, Ministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau, hat am 26. August 2026, mit den Vertretern des Getreidesektors De Verband Group/Versis, Bauere Koperativ (BAKO), Moulins de Kleinbettingen und Lëtzebuerger Saatbaugenossenschaft (LSG) Erntegespräche geführt, und gemeinsam in den Gebäulichkeiten von De Verband in Colmar-Berg Bilanz der Erträge gezogen.
Getreideernte: früher Start und historisch schneller Abschluss im August
Die Winterkulturen wurden im Herbst unter normalen Bedingungen ausgesät und haben den Winter meist gut überstanden. Hohe Niederschlagsmengen im Februar haben die ersten Pflegearbeiten in den Winterkulturen, sowie die Aussaat des Sommergetreides etwas verzögert. In den trockenen Folgemonaten haben sich die Bestände bei geringem Krankheitsdruck gut entwickelt, bevor die ersten Hitzewellen ab Mitte Mai und Juni in Kombination mit hohen Regendefiziten die Abreife der Dreschkulturen sehr beschleunigt hat.
Beim Wintergetreide blicken die Vertreter des Getreidesektors auf zufriedenstellende Erträge zurück, die etwas unter dem langjährigen Durchschnitt liegen. Beim Sommergetreide sind der Ertragsausfall und die Qualitätseinbußen durch Trockenheit viel höher. Um Nationalfeiertag hat die Ernte mit der Wintergerste begonnen. Regendefizite von bis zu 100mm im Juni und Juli haben dazu geführt, dass die Getreideernte bereits Anfang August landesweit historisch früh beendet war.
Geopolitische Lage bremst Wirtschaftlichkeit im Getreidebau
Die Getreidepreise haben sich zwar um etwa 10-15% gegenüber vom Vorjahr verbessert, dennoch ist der Getreideanbau dieses Jahr nicht wirtschaftlich, so Serge Turmes, Direktor von De Verband Group/Versis. Durch die Krise im Nahen Osten ist sowohl Dünger als auch Treibstoff teurer geworden, die Erholung der Getreidepreise aus einer Tiefpreisphase können diese Kosten nicht decken, besonders in Anbetracht der geringen Ernteerträge.
Lichtblick Winterrraps, Dinkel und Hafer
Ein Lichtblick ist dieses Jahr der Winterraps, da die Erlöspreise zum Teil von den Ölpreisen bestimmt werden und die Ernteerträge kaum unter der Trockenheit gelitten haben. Nischenkulturen, wie Dinkel und Hafer, deren Erlöspreise weniger vom Weltmarkt abhängig sind, bleiben ebenfalls ein Lichtblick. Beim Winterhafer konnten gute Erträge mit sehr guten Qualitäten erzielt werden, der Markt entwickelt sich positiv, so Günter Mertes, Geschäftsführer der Bauere Koperativ (BAKO). Der Dinkel zeigt sich in den letzten Jahren sehr preisstabil.
Beim Label-Brotweizen "Produit du terroir" sind die Erntemengen mit über 11.000 Tonnen deutlich geringer ausgefallen (-9% zum Vorjahr) als vorher erwartet worden, so Frédéric Baijot von Moulins de Kleinbettingen. Die Ernte verspricht jedoch eine herausragende Qualität für die Weiterverarbeitung zu Backwaren.
Kritische Situation im Futterbau und Kartoffelsektor
Etwa drei Viertel der landwirtschaftlichen Nutzfläche werden zur Produktion für Grundfutter zur Wiederkäuerernährung genutzt. Im Grünland konnten zwei durchschnittliche Schnitte mit guten Qualitäten geerntet werden. Der dritte Schnitt ist fast gänzlich ausgefallen. Auf den Weiden werden bereits mehrere Wochen Reserven, die für den Winter gedacht waren, zugefüttert. Der Niederschlag der nächsten Wochen wird bestimmen, wie groß der letzte Schnitt im Herbst ausfallen wird.
Im Silomaisanbau ist das Bild sehr gemischt, von guten Beständen bis hin zu sehr schlechten, die bereits wegen Trockenschäden geerntet worden sind. Lokale Regenschauer und betriebswirtschaftliche Anpassungsfähigkeit sind dieses Jahr ausschlaggebend über Erfolg oder Misserfolg. Die letzten beiden Jahre waren im Futterbau ertragreich, so dass zum Teil noch Futterreserven auf den Betrieben vorhanden sind. Weiterer Regen ist jedoch dringend nötig, so die Ministerin für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau, Martine Hansen.
Eine ähnliche Situation gibt es im Kartoffelanbau. Letztes Jahr sind Unmengen an Kartoffeln geerntet worden. Dieses Jahr sind die Felder sehr unterschiedlich je nach lokalen Bedingungen und die Erntemengen im Herbst werden überschaubar sein.
Das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau bezuschusst Versicherungsprämien für Ernteausfälle − große Schäden in Getreide, Mais und Grünland erwartet.
Ministerin Martine Hansen unterstrich: "Die Landwirtschaft muss sich dem Klimawandel anpassen. Wir blicken mit Besorgnis auf die extremen Wetterschwankungen, die geopolitischer Unstabilität, volatile Erzeugerpreise und gestiegene Produktionskosten. Für unsere Landwirte ist es vital, ihre Produktionszweige zu diversifizieren, vorausschauend zu wirtschaften und Versicherungen gegen Ertragsausfälle abzuschließen, welche das Ministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau zu 65% bezuschusst. Von den versicherten Kulturen und Flächen sind die größten Schäden im Getreide (zirka 5.600ha) sowie Mais (zirka 6.000ha) zu verzeichnen. Im Grünland sind die Trockenschäden ebenfalls sehr hoch einzuschätzen, eine präzise Zahl kann noch nicht genannt werden."
Am 4. September wird in Remich die Bilanz der Traubenlese in Anwesenheit von Ministerin Martine Hansen gezogen.
Pressemitteilung des Ministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Weinbau, De Verband, Lëtzebuerger Saatbaugenossenschaft, BAKO Bauerekoperativ und Moulins de Kleinbettingen