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Interview: Luxemburger Wort (Joe Geimer)

 

Luxemburger Wort: Martine Hansen, woher kommt Ihr Interesse am Sport und an der Bewegung?

Martine Hansen: Das gab es eigentlich schon immer. Ich kann mich sehr gut an die Zeit erinnern, als ich als kleines Mädchen draußen mit den Jungs Fußball gespielt habe. Ich war viel mit dem Fahrrad unterwegs und bin von Ischpelt zum Stausee gefahren. Einem Verein habe ich mich nie angeschlossen. Meine Eltern sind Bauern und hatten nicht unbedingt viel Zeit. Ich hätte mir vorstellen können, zum Fußball zu gehen. Ich schaue mir heute auch noch gerne Fußballspiele an. Früher gab es noch die zwei Vereine in Harlingen und in Ischpelt. Wir aus Ischpelt haben immer verloren. Deswegen habe ich mir als Fan den deutschen Verein ausgesucht, der fast immer gewinnt (lacht). Als Studentin habe ich mir oft den Vfß Stuttgart angeschaut und war in Kaiserslautern auf dem Betzenberg. Auch später war Sport immer ein Begleiter: Zu Uni-Zeiten bin ich viel gelaufen, geschwommen, habe Tennis gespielt und bin Fahrrad gefahren. Im Winter stand Skifahren hoch im Kurs und im Sommer Windsurfen. Ich bin zudem eine Zeit lang zwei Marathons im Jahr gelaufen. Insgesamt müssten es ein Dutzend gewesen sein. Auch den Uewersauer-Trail über mehr als 50 Kilometer habe ich absolviert. Drei- bis viermal pro Woche versuche ich, sportlich aktiv zu sein. Gelingt das nicht, bin ich griesgrämig.

Luxemburger Wort: Wie ist es dazu gekommen, dass Sie das Sportressort übernommen haben? Georges Mischo reichte seinen Rücktritt am Sonntag, den 7. Dezember ein. Wann wurden Sie kontaktiert?

Martine Hansen: An dem Sonntagnachmittag hat Premierminister Luc Frieden mir mitgeteilt, dass ich das Sportressort übernehmen soll, falls Georges Mischo zurücktritt. Ich hatte das zu dem Zeitpunkt noch nicht realisiert. Das war erst am Montagmorgen der Fall. Wenn ich mich mit Händen und Füßen gewehrt hätte, wäre das wohl möglich gewesen. Ich hatte aber nicht viel Zeit, um mir großartig Gedanken zu machen. Es ist eine zusätzliche Herausforderung und ich bin mir bewusst, dass es sportlich ist, die drei Ressorts (Sport, Landwirtschaft, Verbraucherschutz, Anm. d. Red.) parallel zu führen. Aber es ist machbar. Im Sport benötige ich ein bisschen Zeit, um mir einen Überblick zu verschaffen. Es ist in den vergangenen zwei Jahren einiges passiert, andere Dossiers sind in Vorbereitung.

Luxemburger Wort: Wie teilen Sie sich Ihre Arbeit auf?

Martine Hansen: Ich bin jetzt einen Wochentag weniger oft bei der Landwirtschaft. Ich werde einen Tag im Sportministerium und einen Tag beim Konsumentenschutz sein. Dann fällt ein halber Tag weg wegen Regierungsrat und die restliche Zeit bin ich bei der Landwirtschaft. Aber das kann auch mal angepasst werden. Die Wochenenden sind mit Weinfesten und Sportevents gut gefüllt (lacht).

Luxemburger Wort: Wie wollen Sie intern funktionieren? Georges Mischo hat viel im Trio mit INAPS Direktor Charles Stelmes und Generalkoordinator François Knaff gearbeitet. Setzen Sie das sofort?

Martine Hansen: Bislang habe ich daran noch nichts geändert. Ich möchte mir erst einmal einen Überblick verschaffen und sehen, wie der Betrieb funktioniert, bevor ich eventuell Änderungen mache. Geplant ist das derzeit nicht. Ich brauche Menschen, die wissen, wie das Ministerium funktioniert.

Luxemburger Wort: Wie sieht es mit dem Posten des Sportkommissars aus, der seit mehr als fünf Jahren und dem Renteneintritt von Robert Thillens unbesetzt ist?

Martine Hansen: Ich habe mir noch keine Gedanken gemacht, ob ich diesen Posten besetzen möchte oder nicht. Ich will nichts übers Knie brechen. Falls irgendwo eine Optimierung notwendig ist, wird sie gemacht. Es geht nicht darum, sofort irgendwelche Leute ins Boot zu holen. Noch hat nie mand den Finger ausgestreckt.

Luxemburger Wort: Was sind in Ihren Augen die Hebel, die sofort umgelegt werden müssen?

Martine Hansen: Die Art und Weise des Miteinanders ist wichtig. Ich setze immer auf Dialog. Die Zusammenarbeit mit den Akteuren ist wichtig. Ansonsten kommen wir nicht gemeinsam voran. Am 15. Januar wird es ein Treffen mit dem Nationalen Olympischen Komitee (COSL) geben. Außerdem muss die Reform des Subside Qualité+ vorankommen. Damit unter stützen wir den Sport an der Basis. Das ist das wichtigste Projekt, weil es um zusätzliche Unterstützung geht, welche die Qualität und die Quantität der Arbeit in den Vereinen steigern wird. Die Clubs warten auf ihr Geld. Die Reform ist angekündigt worden. Jetzt müssen wir liefern. Ich würde mir wünschen, dass sie vor dem Sommer auf den Weg gebracht wird. Je früher, desto besser. Die Sonntagsarbeit im Sport muss geregelt werden. Unter Georges Mischo war ein Gesetzesprojekt hinterlegt worden, um das Arbeitsrecht zu ändern. Aktuell herrscht in dem Bereich eine Grauzone. Das sollte nicht der Fall sein. Ich habe Parteikollege Marc Spautz (Arbeitsminister, Anm. d. Red.) gesagt, ich würde ihn bald besuchen. Auch mit dem COSL werde ich mich über den Punkt unterhalten. Ich möchte die Diskussionen rasch beginnen, damit wir vorankommen. Die Arbeiten sind aber weniger weit fortgeschritten als die zum Subside Qualité+.

Luxemburger Wort: Die Anspannungen zwischen COSL und Sportministerium waren zuletzt offensichtlich und wurden in Stellungnahmen teils deutlich formuliert. Wie schätzen Sie die Situation ein?

Martine Hansen: Man muss nicht immer mit allem ein verstanden sein. Soviel ist klar. Ich arbeite aber im Austausch. Kompromisse sind essenziell. Man muss zuhören können, Standpunkte erklären und Positionen argumentieren. Im besten Fall findet man so einen Konsens. Die Gesetze werden gemacht, um den Sport zu unterstützen. Es ist deshalb wichtig, dass sie vom Sport getragen werden. Das ist zumindest das Ziel. Das COSL ist ein wichtiger Partner, der mit am Tisch sitzen soll. Ich bin ganz zuversichtlich, dass wir einen Weg finden, um miteinander klarzukommen.

Luxemburger Wort: Wie sieht es mit dem IPESS-Dossier aus? Über die "Initiative pour la promotion de l'emploi dans le secteur du sport" wird viel und teils kontrovers diskutiert. Müssen Anpassungen gemacht werden?

Martine Hansen: Die IPESS braucht das Subside Qualité+. An sich müssen beide parallel laufen. Die IPESS ist gedacht, um den Vereinen mit Manpower zur Verfügung zu stehen. Diese Unterstützung wird teils mit dem Geld bezahlt, das sie über den Zuschuss Qualité+ erhalten. Es gab jüngst Arbeitsgruppen zu dem Thema. Mit dem COSL werde ich es am 15 Januar besprechen. Wenn Anpassungen gemacht werden müssen, dann machen wir die. Ziel ist es, dem Sport zu helfen. Das Gesetzesprojekt ist als Unterstützung angedacht. Vielleicht müssen zusätzliche Klarheiten geschaffen werden. Es wird Anpassungen geben, wie die aussehen, ist noch nicht abzusehen.

Luxemburger Wort: Verstehen Sie die Bedenken des COSL, dass sich der Staat und das Sportministerium zu sehr in die Belange der Verbände und Vereine einmischt und so die Autonomie gefährdet?

Martine Hansen: Auf Anhieb habe ich diese Sorgen nicht verstanden, weil ich die IPESS eher als Hilfe sehe. Aber ich höre mir die Sorgen auf jeden Fall an. Ich möchte die Sichtweise verstehen. Ich werde nicht mit dem Kopf durch die Wand gehen. Ich suche den Dialog. Und wenn es deswegen länger dauert, bis alles gemeinsam festgezurrt ist, dann ist das so.

Luxemburger Wort: Macht Ihnen die Tatsache, dass in zweieinhalb Jahren bereits die nächsten Wahlen anstehen, keine Sorgen? Ist die Zeit bis dahin nicht sehr kurz bemessen, um als neue Sportministerin noch Akzente zu setzen?

Martine Hansen: Einfach nur willkürlich aufs Gaspedal zu drücken, bringt nichts. Dann riskiert man, dass die Sorgfalt auf der Strecke bleibt. Das möchte ich nicht. Es ist besser, mit einem Dossier weniger gut voranzukommen, dafür aber die breite Unterstützung zu haben.

Luxemburger Wort: Eine Kritik ist die, dass vom Geld, das dem Sport zusteht, zu viel in die Personalkosten von Ministerium, INAPS und INS fließt. Es wäre besser, an der Basis aufgehoben. Stimmen Sie zu?

Martine Hansen: Dass das COSL mehr Geld fordert, ist legitim. Die Erhöhung des eigenen Bud gets war jüngst nicht riesig. Darüber kann man diskutieren. Alles andere muss man vielleicht transparenter kommunizieren. Was auch feststeht: Die Kriterien, nach denen das Geld an die Verbände und Ver eine verteilt wird, müssen verständlicher sein. Es steht insgesamt mehr Geld zur Verfügung. Das ist wichtig.

Luxemburger Wort: Das Sportbudget bewegt sich bei weniger als 0,3 Prozent des Staatshaushalts. Die Forderungen der Sportwelt nach mehr Unterstützung und einem höheren Stellen wert sind nicht neu. Werden Sie sich für zusätzliches Geld einsetzen?

Martine Hansen: Die Bäume wachsen nicht in den Himmel. Wenn wir die Reform des Subside Qualité+ auf den Weg bekommen, steht schon mal automatisch mehr Geld zur Verfügung. Deswegen ist das auch ein wichtiges Projekt. Die Kriterien werden deutlich definiert sein. Die Aufstockung wird im Budget spürbar sein. Der Sport ist jüngst vielleicht etwas benachteiligt worden. Wir müssen Kinder und Jugendliche zur Bewegung bekommen. Freiwillige und Jugendarbeit sind wichtig. Wir brauchen Vereine. Ihre Arbeit ist extrem wertvoll. Es geht auch um die Gesundheit der nächsten Generationen. Mir fehlt dieses Bewusstsein in der breiten Gesellschaft. Wir müssen es fertig bringen, nicht nur den Leistungssport, sondern auch den Breiten- und Freizeitsport zu fördern. Es geht dabei auch um soziale und gesundheitliche Aspekte. Meine Message an jeden wäre: Treibt Sport und bewegt euch!

Luxemburger Wort: Sportkoordinatoren gibt es aktuell in rund 30 Gemeinden. Wird dieser Posten weiter gefördert werden?

Martine Hansen: Ja, ganz klar. Das soll so weitergehen. Auch da muss es einen klaren Rahmen geben. Der Kader fehlt. Wir benötigen eine rechtliche Grundlage.

Luxemburger Wort: Werden Sie zu den Olympischen Winter spielen nach Norditalien reisen?

Nein, es stand nicht auf meiner Agenda. Ich habe meiner Tochter versprochen, just in der Woche mit ihr Skifahren zu gehen. Da konnte ich auch noch nicht wissen, dass ich Sportministerin sein würde. Ich reise aber nach Mailand für den Olympia Startschuss und hoffe, unsere Teilnehmer in Luxemburg empfangen zu dürfen. Ihre Leistungen werde ich am Fernseher verfolgen und fest die Daumen drücken.

Membre du gouvernement

HANSEN Martine

Organisation

Ministère des Sports

Thème

Sports