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"Ich glaube an die Kraft des Kinos"
Interview mit Luc Frieden im TageblattInterview: Tageblatt (Rüdiger Suchstand)
Tageblatt: Herr Frieden, als erstes eine ganz persönliche Frage: Was ist Ihr Bezug zum Kino?
Luc Frieden: Persönlich ist meine Beziehung zum Kino erst einmal diejenige, dass die audiovisuelle Produktion in Luxemburg in den Kompetenzbereich des Premierministers fällt. Deshalb finde ich es sehr wichtig, diesen Bereich aktiv zu unterstützen. Zweitens schaue ich mir privat gerne Filme im Kino an, weil ich finde, dass einen dies ein wenig aus dem Alltag herausnimmt. Das sorgt für Abwechslung vom harten Berufsalltag. Deshalb sind die Filme, die ich mir anschaue, meistens auch Filme, die ein Feelgood-Gefühl hervorrufen oder Filme und Fernseh-Serien, die auch einen politischen Bezug haben.
Tageblatt: Haben Sie etwa "House of Cards" gesehen, oder ähnliche Serien und Filme, die auch die schmutzigen Abgründe der Politik zeigen?
Luc Frieden: In diesem Zusammenhang fällt mir die Serie "Borgen" über die dänische Politik ein, die man auch im aktuellen Kontext sehen kann. Immer schon gut gefallen hat mir auch das Musical "Evita", ebenfalls ein politischer Film. Der Weltstar Madonna spielte und sang sehr gut darin. Es sind also sehr verschiedene Filme, die ich mir zur Entspannung ansehe.
Tageblatt: Sie haben in Ihrer Rede auf dem Luxemburger Berlinale Empfang den "European Way" erwähnt, über den Sie auf Ihrer USA-Reise gesprochen haben, und betont, Europa müsse für seine Werte kämpfen. Was zeichnet Ihrer Meinung nach den europäischen Weg aus und wie haben die Studierenden reagiert?
Luc Frieden: Ich habe diese Rede in Harvard gehalten. Das ist natürlich ein Publikum gewesen, das den Werten, die wir in Europa haben, sehr nahe steht. Es schätzt, die Chance in Europa leben zu können, unabhängig vom Einkommen der Eltern auf eine gute Schule zu gehen und auch losgelöst vom Einkommen eine gute Gesundheitsversorgung zu er halten. Europa ist ein Kontinent, auf dem man viel Freiheit hat, aber keine Freiheit, die grenzenlos ist. Es ist eine Freiheit, die dort aufhört, wo die Freiheit des anderen beginnt.
Rassismus und Hass können nicht die Meinungsfreiheit ausnutzen, sondern es gibt Grenzen, die wir gemeinsam in Europa beschlossen haben. Ich glaube schon, dass dieser "European Way" ein Angebot ist, das wir auch anderen machen können. Ich bin zudem überzeugt, dass das auch in den USA von vielen noch heute geteilt wird. Ich bin also optimistisch, dass wir überall auf der Welt Menschen finden, die das, was ich als europäische Werte beschreibe, teilen.
Tageblatt: Welche Rolle spielen Filme dabei?
Luc Frieden: Filme können das in ihrer jeweiligen Sprache nach außen tragen, deswegen sehe ich diesen "European Way of Life" auch als eine Dimension unserer Filmtradition
Tageblatt: Meinen Sie, dass Kino, Kunst und Kultur die Welt verändern können?
Luc Frieden: Die Kultur ist sehr wichtig für die intellektuelle Entwicklung der Menschen. Dass Filme einen Einfluss auf die Menschen haben und auch Werte vermitteln können, denke ich schon. Ich glaube an die Kraft des Kinos!