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"Wir werden in Düdelingen keine Panzer bauen"
Interview mit Lex Delles im Luxemburger Wort
Interview: Luxemburger Wort (Melanie Ptok)
Luxemburger Wort: Lex Delles, Sie kamen kürzlich aus Indien zurück. Dort wurde der Campus von SES eingeweiht, Sie haben die Space Expo besucht und dort viele Gespräche mit Branchenvertretern geführt. Warum liegt Indien der Regierung als Wirtschaftspartner ausgerechnet jetzt so am Herzen?
Lex Delles: Es ist sehr wichtig, dass wir einen offenen Austausch mit unseren Wirtschaftspartnern pflegen. Und Indien ist ein Markt, der enorm wächst. Und es gibt in jedem Sektor einen anderen Ansatz. Beispielsweise im Space-Sektor ist es uns wichtig, dass wir luxemburgischen Start-ups oder Unternehmen in dem Bereich die Möglichkeit geben, auf den indischen Markt zu gehen.
Luxemburger Wort: Und indische Unternehmen in Luxemburg?
Lex Delles: Auch wenn indische Unternehmen auf den europäischen Markt kommen wollen, ist es gut, die Kontakte zu haben. Luxemburg ist in verschiedenen Branchen sehr gut positioniert. Das haben wir auch speziell in Indien angesprochen. Luxemburg als politisch stabiles Land im Herzen Europas zu sehen, um unser Ökosystem zu stärken, sodass sie wirklich auch hier eine Niederlassung oder ihre europäische Zentrale in Luxemburg eröffnen.
Luxemburger Wort: Ist das schon passiert? Gibt es schon viele indische Unternehmen in Luxemburg? Oder, außer SES, luxemburgische Firmen in Indien?
Lex Delles: Wir haben auch andere Unternehmen, die in Indien aktiv sind, zum Beispiel Ceratizit. Wir haben auch andere indische Unternehmen, die hierher kommen, zum Beispiel Tata. Eine weitere indische Firma hat hier ihren europäischen Hauptsitz ein gerichtet, um Zahlungssysteme anzubieten. Es geht uns darum, auf der Landkarte präsent zu sein, um den Austausch zu erleichtern.
Luxemburger Wort: Was hat Indien, was Luxemburg noch nicht hat?
Lex Delles: 1,4 Milliarden Einwohner (lacht). Indien ist ein Land, mit dem wir in Zukunft noch enger zusammenarbeiten müssen. Und natürlich ist es für Luxemburg immer schwierig, geografisch präsent zu sein. Genau deshalb sind solche Wirtschaftsmissionen so wichtig.
Luxemburger Wort: Indien ist aber eng mit Russland verflochten, zum Beispiel im Bereich Energie und Rüstung. Ist es politisch vertretbar, jetzt die Wirtschaftsbeziehungen zu Indien zu stärken?
Lex Delles: Indien ist ein demokratisches Land. Es ist ein unabhängiges Land, das seine eigenen Entscheidungen trifft, auch in den BRICS-Staaten (Staatenvereinigung, zehn Mitglieder, darunter Indien, Russland und China, Anm. d. Red.). Es ergibt Sinn, mit Indien zusammenzuarbeiten, weil es Wachstum bringt, sowohl für sie als auch für uns. Und das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Indien wird das noch einmal erleichtern.
Luxemburger Wort: Sie sagen es. Kommt es mit dem Freihandelsabkommen möglicherweise zu Problemen zwischen der EU und Indien?
Lex Delles: Probleme? Kommen wir erst einmal zu den guten Dingen. Ich denke natürlich, dass jedes Freihandelsabkommen Vor- und Nachteile hat. Aber die Regeln sind klar, insofern müssen wir nicht mehr über Nuancen diskutieren. Wir brauchen Indien als EU-Handelspartner. Gerade weil die Welt manchmal etwas volatil ist, müssen wir uns als Europa breiter aufstellen.
Luxemburger Wort: Der Weltraumsektor wird oft als Branche der Zukunft bezeichnet. Wie viel Potenzial sehen Sie dafür noch in Luxemburg?
Lex Delles: Enorm viel. Luxemburg ist seit den 80er Jahren ein Weltraumland. Man hat sehr früh daran geglaubt, dass es über die Satellitenkommunikation Möglichkeiten gibt, einen Markt zu erschließen. Wir haben hier das Unternehmen SES, in das Luxemburg selbst als Start-up investiert hat. Heute ist das ein führendes Unternehmen im Weltraumsektor, in der Satellitenkommunikation und bei Satellitentechnologien.
Luxemburger Wort: Wo sehen Sie darüber hinaus noch Potenzial für das kleine Luxemburg?
Lex Delles: Ich sehe noch viel Potenzial für Start-ups, hier zu wachsen. Auch die Anzahl der Unternehmen in Luxemburg und die Beschäftigung können wachsen und bei Kooperationen und bei der Stärkung des Ökosystems können wir zulegen. Ich sehe auch eine steigende Wertschöpfung im Weltraumbereich. Uns als Regierung ist es wichtig, diesen Sektor weiter zu stärken.
Luxemburger Wort: Wodurch?
Lex Delles: Durch den Space Campus und das Space-Testzentrum. Damit wollen wir noch einmal eine Schippe drauflegen, um den Unternehmen die Möglichkeit zu geben, die Maschinen zu nutzen, die es in diesem Testzentrum geben wird.
Luxemburger Wort: Ein Teil des Liberty-Steel-Geländes soll in einen Defence Campus umgewandelt werden. Was ist der Stand der Dinge?
Lex Delles: Der Platz ist da.
Luxemburger Wort: Und ein bisschen konkreter?
Lex Delles: Es geht uns darum, einen Ort zu haben, an dem wir ein Ökosystem haben, das sich entwickeln kann. Dort sollen keine Kanonen gebaut werden. Wir werden hier in Luxemburg auch keine Flugzeugträger, Raketen oder Panzer bauen. Wir wollen einen großen Mehrwert für die Unternehmen schaffen, die wir dort anziehen. Und wir sind im Austausch mit verschiedenen Unternehmen, die sehr daran interessiert sind, nach Luxemburg zu kommen.
Luxemburger Wort: Was soll dort genau entstehen?
Lex Delles: Ein Inkubator, in dem sich Unternehmen niederlassen können, und das in einem gesicherten Perimeter. Das ist der große Vorteil eines Campus. Die Unternehmen, die in verschiedenen Bereichen forschen und produzieren, müssen abgeschirmt sein, damit man nicht einfach so spionieren und auf das Gelände gehen kann.
Luxemburger Wort: Wann soll es so weit sein?
Lex Delles: Der erste Stein ist noch nicht gelegt. Aber ich bin sehr dahinter. Spätestens Ende 2027, Anfang 2028 sollen die ersten Unternehmen dort einziehen.
Luxemburger Wort: Um den Weltraumsektor im Land auszubauen, braucht man Fachkräfte. Diese wiederum kehren Luxemburg den Rücken, wenn sie keine Wohnung finden oder sich das Leben nicht leisten können. Wie sehen Sie dieses bekannte Problem?
Lex Delles: Wohnraum und Talente sind ein großes Thema. Wenn man von Fachkräftemangel spricht, dann hat man häufig den hochqualifizierten KI-Experten im Kopf. Dabei sehen wir den großen Mangel vor allem im Handwerk. Uns fehlen Elektriker und Mechatroniker. Deshalb ist in unserer Strategie dieser Punkt so wichtig: Wie ziehe ich Talente an?
Die Talentstrategie hat mehrere Komponenten. Erstens, die Talente selbst auszubilden. Der zweite Punkt ist die Talentbindung. Dafür haben wir auch die Luxtalent-Studie gestartet, die uns zeigt, wie lange verschiedene Talente hier bleiben und warum sie gehen.
Luxemburger Wort: Die Hälfte der Neuankömmlinge verlässt Luxemburg nach fünf Jahren wieder.
Lex Delles: Es gibt aber auch viele, die nur ein paar Jahre hierbleiben wollen und dann weiter ziehen. Das ist auch ein Teil der Wahrheit. Der andere Teil der Wahrheit ist, dass man hier in Luxemburg mehr verdient, aber auch die Nebenkosten hoch sind. Es gibt aber auch viele, die mir sagen, sie wollten eigentlich nur zwei bis drei Jahre bleiben, und nach 27 Jahren immer noch hier sind.
Luxemburger Wort: Viele Baustellen, um die Sie sich kümmern müssen. Welchem Projekt widmen Sie sich jetzt als Erstes?
Lex Delles: Dem Space Campus und dem Space Test-Center. Das sind absolute Prioritäten. Auch der Handwierkerhaff und der Defence Campus in Düdelingen auf dem Gelände von Liberty Steel haben absolute Priorität. Und auch der weitere Ausbau erneuerbarer Energien. Wir werden so schnell wie möglich eine Ausschreibung machen, damit wir PV-Anlagen entlang der Autobahnen installieren können. Und natürlich, die administrative Vereinfachung. Das ist ein laufender Prozess. Man kann nicht mit dem Finger schnippen und alles ist vereinfacht. Wir haben 200 Maßnahmen entwickelt, die wir forcieren müssen, um schneller voranzukommen.
Luxemburger Wort: Warum haben so viele trotzdem den Eindruck, es würde nichts weitergehen?
Lex Delles: Weil es eine enorme Detailarbeit ist. Den Verwaltungsaufwand zu reduzieren, das betrifft viele Details. Die Veränderungen und Anpassungen bemerkt man nur, wenn es jemanden selbst betrifft. Wenn Sie sie nicht nutzen, sehen Sie sie nicht, und deshalb ist es immer so etwas Subjektives.
Luxemburger Wort: Kommunizieren Sie das ausreichend?
Lex Delles: Wir als Ministerium leisten sehr viel Informationsarbeit, auch die Handwerkskammer, die Handelskammer und die Verbände. Das House of Entrepreneurship gibt es auch noch, um weiterzuhelfen und zu erklären. Aber natürlich kann man immer noch mehr tun. Und ich verstehe auch die Unternehmer. Deshalb schauen wir auf allen Kanälen, wo es nur geht, immer wieder. Doch wir werden nie alle Unternehmen erreichen.