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"Die Anpassung an den Klimawandel ist schon im Gange"
Interview mit Martine Hansen im Luxemburger Wort
Interview: Luxemburger Wort (Michael Merten)
Wort: Martine Hansen, warum haben Sie sich ausgerechnet diesen Ort für das Interview ausgesucht?
Martine Hansen: Weil ich vom Stausee komme. Ich bin aus Tarchamps, das ist auf der anderen Seite vom Stausee, und wohne in Heiderscheidergrund, am anderen Ende. Es ist ein wunder schöner Ort, wo man viele Sportarten machen kann: Radfahren, Laufen, Wassersport. Und hier im Stauseegebiet werden viele Lebensmittel hergestellt. Das ist also die Verbindung zu den zwei Bereichen meines Ministeriums. Lebensmittel und Sport.
Wort: Welche Lebensmittel werden hier hergestellt?
Martine Hansen: Hier haben wir den Ursprung des Leader Projekts. Hier wurden viele Projekte umgesetzt: Das war Téi vum Séi, Véi vum Séi. Wir haben jetzt die Käre vum Séi. Hier wird versucht, dass die Landwirtschaft zusammen mit dem Wasserschutz - wir sitzen ja hier an einem Trinkwasser-Reservoir - funktioniert. Diese Region hat schon viel Pionierarbeit geleistet.
Wort: Hier kann es also auch passieren, dass man die Ministerin auf dem Rad oder mit Laufschu hensieht?
Martine Hansen: Ja. Hier in der Gegend ist der Insenborn Autopedestre, aber wenn man die Ostvariante vom Stausee läuft, kommt man auch hier vorbei. Es ist einfach eine richtig schöne Gegend, wo ich viel rund um den See unterwegs bin.
Wort: Sie sind ja eine sportliche Sportministerin, das kann man doch so sagen?
Martine Hansen: Ich tue mein Bestes. Ich war aber nie in einem Verein, das hat sich nie ergeben. Ich mache Freizeitsport und versuche, das beizubehalten. Das Wichtigste am Sport ist, dass man Freude daran hat. Und man muss nicht immer der Beste sein.
Wort: Sie haben jetzt auch einen Urlaub auf dem Rad nach Italien gemacht?
Martine Hansen: Ja, wir sind von München zum Gardasee gefahren, das war ganz schön. Da kann man immens gut abschalten. Leider sind wir ein paar Mal richtig gut geduscht worden, weil es geregnet hat.
Wort: Sind Sie beim Sport ehrgeiziger als in der Politik oder umgekehrt?
Martine Hansen: Ich meine, ich bin überall ehrgeizig. Ich will einfach immer mein Bestes geben. Aber ich laufe nicht so schnell, bis ich umfalle. Wenn es zu sehr wehtut, dann mache ich langsamer. Dieser Ausblick hier, das ist herrliche Natur.
Wort: Haben Sie angesichts des Klimawandels die Sorge, dass dieses Paradies in 20, 30 oder 40 Jahren in Gefahr ist?
Martine Hansen: Ich meine schon. Wenn man die Wälder rundherum sieht, die sind nicht mehr ganz gesund. Ich denke, hier werden wir Änderungen bekommen. Wir werden uns anpassen müssen, so schnell wie möglich.
Wort: Der Sommer 2026 war eine Herausforderung für die Bauern. Wie ist die bisherige Bilanz?
Martine Hansen: Wir hatten mehr als zwei Monate fast keinen Regen; das ist natürlich extrem. Die Bilanz bei der Getreideernte liegt vor: Da haben wir zehn bis 15 Prozent weniger Ertrag, und wir haben höhere Kosten durch die geopolitische Lage, weil der Dünger und der Diesel teurer geworden sind. Da ist definitiv weniger im Geldbeutel. Beim Futter, beim Mais, beim Grünland, beim Obst können wir die endgültige Bilanz bisher nicht machen. Aber es sieht schlecht aus dieses Jahr. Bei den Trauben ist die Menge geringer geworden, aber die Qualität wird gut sein.
Wort: Die Versicherungen für Ernteausfälle sind ein großes Thema. Da ist Luxemburg ja in einer guten Position, doch es gibt auch Kritik bei den Bauern.
Martine Hansen: Die gute Position ist, dass wir eine Versicherung haben, bei der man Ernteausfälle bei den meisten Kulturen versichern kann, und der Staat über das Agrargesetz 65 Prozent der Versicherungsprämie übernimmt. Das ist ein ganz großer Vorteil. Die Kritik daran ist, dass die Bauern sagen, dass sie nicht genug ausbezahlt kriegen. Es gibt natürlich Limits bei der Versicherungssumme pro Hektar. Das sind Verhandlungen, die man mit den Versicherungen führen muss. Wir haben im Moment aber auch nur eine Versicherung, die so etwas anbietet, und wir sind ein bisschen von ihnen abhängig.
Wort: Sie haben also keinen großen Einfluss, können da keine Direktiven machen?
Martine Hansen: Nein. Die Versicherung bietet etwas an. Wir können mitdiskutieren, aber wenn die sagen, das da machen wir nicht, dann machen sie es nicht mehr. Dieses Jahr werden sie natürlich etwas drauflegen es sind viele Schäden gemeldet worden.
Wort: Wie sehr ist die Luxemburger Bauernschaft auf den Klimawandel eingestellt?
Martine Hansen: Ich bin überzeugt, dass diese Anpassung automatisch kommt, und sie ist schon im Gange. Als ich klein war, da gab es hier oben noch keinen Mais. Das hat sich geändert, es sind andere Sorten gekommen. Wir haben inzwischen Sonnenblumen hier oben; das konnte man sich vor Jahren noch nicht vorstellen. Wir sind offen dafür, Forschungsprojekte zu unterstützen, die auf mehr Trockenheitsresistenz abzielen. Damit wir den Bauern das Hand werkszeug geben können, das sie brauchen. Es gibt ganz sicher auch Diskussionen: Baue ich vielleicht mehr Winter- statt Sommergetreide an?
Wort: In der Politik wird ganz gerne mal Kritik an Brüssel geäußert. Ist es für eine Ministerin Hansen schwieriger, einen Kommissar Han sen zu kritisieren, oder können Sie auch Klartext sprechen?
Martine Hansen: Klartext muss man sprechen. In diesem Fall haben die zwei Hansens unterschiedliche Rollen, aber sie kommen gut miteinander aus. Das ist ein großer Vorteil; die Wege sind kurz. Christophe muss natürlich die Position von ganz Europa vertreten, wo die Landwirtschaft in den einzelnen Ländern unterschiedlich ist. Ich vertrete unsere Bauernschaft. Dass wir da nicht immer hundertprozentig die gleichen Ziele verfolgen, ist normal. Aber wenn ich schaue, was Christophe bis jetzt geliefert hat, in Richtung Vereinfachung - der große Vorteil ist, dass er den Sektor versteht.
Wort: Kürzlich war die Halbzeitbilanz der Regierung. Was ist Ihr größter Erfolg, was ist Ihre größte Enttäuschung in diesen zweieinhalb Jahren?
Martine Hansen: Ich meine, der größte Erfolg ist, dass wir den Dialog mit dem Sektor wieder lanciert haben. Für mich ist die Priorität: Ich mache Politik für den Sektor, und dann muss ich die Politik auch mit den Leuten machen, sonst komme ich nicht voran. Da ist in der Landwirtschaft der Landwirtschaftsdësch, das ist beim Konsumentenschutz die ULC, aber auch die Betriebe. Das ist beim Sport der COSL. Meine größte Herausforderung ist bei der Landwirtschaft, dass wir die Lebensmittelproduktion in Luxemburg erhalten. Und dass wir genug junge Menschen kriegen, die in die landwirtschaftlichen Betriebe einsteigen. Das geht nur, wenn sie rentabel sind. Meine größte Enttäuschung: Da würde ich sagen, dass wir bei verschiedenen Sachen nicht schnell genug vorankommen, etwa bei der Entbürokratisierung. Da kommen aber noch neue Vorgaben aus Brüssel, etwa im Umweltbereich. Zum Beispiel die EU-Entwaldungsverordnung: Wir haben in Luxemburg keine Deforestation, wir müssen die Verordnung aber dennoch umsetzen. Das sind Sachen, die ich schwel akzeptieren kann. Wir machen alles, damit das so einfach wie möglich für die Bauern wird, aber wir konnten es nicht ganz abwenden.
Wort: Sie haben das Sportministerium in einer Krise übernommen. Wo sehen Sie das Haus jetzt?
Martine Hansen: Wir haben eine flotte, motivierte Mannschaft, wir schaffen viel. Das Dossier Sportmuseum gibt es nun nicht mehr, würde ich sagen. Das ist keine Priorität. Wir haben andere Sachen zu tun, auf die wir die Priorität setzen. Wir haben das Gesetz auf den Weg ge bracht, um die Vereine stärker zu unterstützen. Der Dialog mit dem COSL läuft gut. Wir müssen schauen, dass wir die Leute mehr zum Sport bewegen können. Hier ist das Benevolat von entscheidender Bedeutung, dem ich auch gerne danken möchte. Auch die Zusammenarbeit mit den Gemeinden ist wichtig. Wir werden ein Gesetzesprojekt für einen sportlichen Koordinator auf den Weg bringen.
Wort: Es gibt also keine Perspektive für das Sportmuseum? Luxemburg ist ja eine Nation mit einer gewissen sporthistorischen Bedeutung. Man denke an die Tour de France, an Olympia. Wie soll das denn in Zukunft präsentiert werden?
Martine Hansen: Ich gebe Ihnen vollkommen recht, wir haben eine wertvolle sportliche Geschichte. Aber während dieser Legislaturperiode werden wir kein neues Sportmuseum mehr auf den Weg bringen.
Wort: Das Gebäude ist das eine, doch ein Museum braucht ja auch Exponate. Gibt es denn ein Team, das zum Beispiel die Laufschuhe von Josy Barthel oder die Gelben Trikots von François Faber aufkauft?
Martine Hansen: Wir haben im Ministerium ein Team, das das Patrimoine verwaltet und daran arbeitet, wie man das präsentieren kann. Aber die Gebäude, die Infrastrukturen, das wird es in dieser Legislaturperiode nicht mehr geben.
Wort: Zum Ausstieg noch eine persönliche Frage: Die Menschen haben ein gewisses Bild von Ihnen. Was ist denn ein Detail, von dem Sie sagen: Das überrascht die Leute, wenn sie mit Ihnen zu tun haben.
Martine Hansen: Ich weiß nicht... Ich habe in der Primärschule ganz viele Strafen bekommen. Ich bin ja immer noch der Meinung, dass ich sie nicht alle verdient habe, aber... (lacht)
Wort: Für was gab es diese Strafen?
Martine Hansen: Ich glaube, die würde es heute nicht mehr geben. Im ersten Schuljahr war die Lehrerin nicht immer da. Wenn der Bus kam, hat sie den Kindern, die schon da waren, die Schlüssel gegeben. Die sind rein gegangen und haben die Tür zugesperrt. Ich war immer die Kleinste und habe im mer mit den Beinen im Fenster gehangen, um reinzusteigen. Wenn die Lehrerin kam, habe ich immer meine Strafe bekommen. Ich habe aber nicht daraus gelernt, denn ich wollte jedes Mal mit drinnen sein. Ich habe das aber nicht mehr jedes Mal da heim erzählt, denn sonst wäre ich nicht ganz gut empfangen worden.