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"25 Jahre zurückgeworfen". Jean Asselborn au sujet de la situation au Mali
Jean Asselborn: Es ist das wichtigste Land der Sahelzone. Schwer bewaffnete Extremisten drangen von Libyen her ins Land. Bei ihrem Einmarsch haben sie eine Spur der Verwüstung hinterlassen. Sie drohten, die Hauptstadt Bamako einzunehmen. Luxemburg hat auch Entwicklungshilfe im Norden des Landes geleistet. Diese Gegend ist wegen der Unabhängigkeitsbestrebungen der Touareg seit jeher problematisch. Das Land wurde lange Jahre als afrikanische Demokratie angesehen. Ich muss aber sagen, dass diese Demokratie nicht solide aufgestellt war.
Télécran: Wo lag die Gefahr?
Jean Asselborn: Hätten die Aufständischen Bamako eingenommen, wäre das Land unter die Herrschaft von terroristischen Organisationen gekommen. Am vergangenen 20. Dezember verabschiedete der UN-Sicherheitsrat die Resolution 2085, mit der die Weltgemeinschaft aufgefordert wird, die staatlichen Strukturen Malis zu stärken. Luxemburg hat die Pflicht, sich dem anzuschließen. Wir haben jahrelang mit gutem Gewissen in Mali investiert. Wir können doch nicht zusehen, dass all dies zerstört wird. Wobei dies natürlich nicht der Hauptgrund ist, sich für die Integrität Malis einzusetzen.
Télécran: Die schwer bewaffneten Extremisten, die in Mali Unheil anrichteten, kamen aus Libyen. Seit dem Sturz des Diktators Gaddafi ist die Lage dort unübersichtlich und die Sicherheit prekär. Aber davon hört man nichts...
Jean Asselborn: Natürlich geht davon die Rede. Aber Libyen war während 40 Jahren eine Diktatur. Man kann nicht erwarten, dass Demokratie sich innerhalb von ein paar Monaten einstellt. Man muss der ganzen Entwicklung eine Chance geben. In Libyen haben übrigens auch Wahlen stattgefunden. Demokratie fällt nicht vom Himmel.
Télécran: Wie geht es weiter in Mali?
Jean Asselborn: Ohne den Eingriff Frankreichs wäre nichts möglich gewesen. Jetzt muss die Lage stabilisiert werden, um den Aufbau staatlicher Strukturen zu ermöglichen. Ungelöst ist jedoch die Frage, wie dies gelingen soll. Durch diesen Konflikt wurde Mali 25 Jahre zurückgeworfen.