Luxemburger Wort: Wie schätzen Sie die Entwicklung der Lage in den vergangenen Wochen ein?
Jean Asselborn: Nordkorea ist eine Militärdiktatur und es weist alles darauf hin, dass es innerhalb des Militärapparates große Auseinandersetzungen gibt. Kirn Jong-un muss beweisen, dass er diesen Apparat unter Kontrolle hat. Die Rhetorik war noch nie so provokativ wie jetzt, aber auf dem Terrain ist bisher nichts geschehen. Es sind zum Beispiel keine Truppenbewegungen zu erkennen. Die Gefahr eines Angriffs, wie 2010 auf die Insel Yeonpyeong, ist dennoch da. Es ist ein irrationales Regime. Wenn man von Bomben und Militär redet, muss man aber auch bedenken, welches Leid dies für die Menschen dort bedeutet.
Luxemburger Wort: Es ist bisher beim Säbelrasseln geblieben. Wie stehen die Chancen auf eine friedliche Lösung des Konflikts?
Jean Asselborn: Die internationale Gemeinschaft tut, was sie kann, von den Vereinten Nationen insgesamt bis zum einzelnen Mitgliedsstaaten. Besonders China, Russland und die USA zeigen einen gemeinsamen Standpunkt, zum Beispiel was die Sanktionen angeht. Ein zweiter Weg ist natürlich, auf China einzuwirken, welches einen größeren Einfluss hat. Durch seine Rolle in der Region trägt China eine größere Verantwortung. Südkorea ist bereit zum Dialog. Auch aus Nordkorea, wo es bisher nur um Krieg und Militäraktionen ging, kommt jetzt das Wort Dialog. Es ist zwar an die Bedingung geknüpft, die Sanktionen aufzuheben, aber es ist dennoch eine Umlagerung.
Luxemburger Wort: Was muss Nordkorea tun, um einen Platz in der internationalen Gemeinde einzunehmen?
Jean Asselborn: Nordkorea muss aufhören mit den Provokationen, es muss respektieren, was in den UN Resolutionen steht und ohne Bedingungen an den Verhandlungstisch kommen. Ob das realistisch ist, sei dahingestellt.